Gigante


Filmstart: 1.10.
Regie: Adrián Biniez;
Darsteller: Horacio Camandulle, Leonor Svarcas, Fernando Alonso u.a.

Ein echter Womanizer ist Jara nicht. Groß, etwas untersetzt, ein wenig tapsig – und extrem schüchtern. Jara arbeitet in der Nachtschicht eines Wachdienstes für einen Supermarkt in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Sein Job: Er überwacht den fast menschenleeren Supermarkt mittels unzähliger Kameras vom Monitorraum aus. So sieht er Mitarbeiter die Regale aus- und einräumen und beobachtet die Putzfrauen bei ihrem Tun. Doch eines Tages fällt ihm eine der neuen Putzfrauen besonders auf. Julia sieht hübsch aus und macht einen sympathischen Eindruck. Aber sie ansprechen? Das würde Jara niemals übers Herz bringen. Also verfolgt er Julia fortan in seiner Schicht über die Monitore und schützt sie vor Ärger mit dem unsympathischen Abteilungsleiter. Doch damit nicht genug spioniert Jara seinem Objekt der Begierde auch in den Straßen Montevideos hinterher und entwickelt sich langsam zu ihrem Schutzengel. Er erfährt viele Details über seine Angebetete, etwa dass sie genauso auf Heavy Metal steht wie er selbst. Doch irgendwann, das ahnt auch Jara, muss er sich Julia stellen.

Gleich mit seinem Spielfilmdebüt schaffte es der gebürtige Argentinier Adrián Biniez in den Wettbewerb der diesjährigen Berlinale. Und das sollte sich für den 35-Jährigen auszahlen: "Gigante" gewann nicht nur den Preis für den Besten Erstling, sondern auch den Großen Preis der Jury und den Alfred-Bauer-Preis. Und das nicht zu Unrecht, gelingt Autor und Regisseur hier doch eine leise Tragikomödie, die überaus stimmig eine Liebe im Arbeitsleben erzählt. Gekonnt kontrastiert Biniez die menschenfeindliche Technik der Überwachung mit den hochkochenden Emotionen seiner wortkargen Hauptfigur, herrlich stoisch gespielt von Horacio Camandulle. Ein sympathischer kleiner Film mit viel Herz.

Martin Schwarz

Stand: 21.9.2009

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